Die kleinstmögliche Karriereseite

Was, wenn ein kompletter Arbeitgeberauftritt mit ausführlichen Texten zu Werten, Kultur und Benefits sowie Aussagen von Mitarbeitenden, untermalt mit Fotos und Videos, für ein Unternehmen nicht in Frage kommt?

Ich habe mir überlegt, welche Informationen notwendig sind, um schnell und unkompliziert eine kleinstmögliche Karriereseite zu erstellen.

Äpfel sind keine Birnen

Karl hat heute seinen letzten Arbeitstag. Die Unternehmensleitung ist enttäuscht und er frustriert. Dabei hörte sich während der Reorganisation alles so gut an: «Aufgrund der fachlichen Qualifikation passt Karl Trachsel ausgezeichnet in das noch leere Feld des Organigramms» – so zumindest der Tenor der externen Berater, welche den Prozess begleiteten. Karl genoss die Wertschätzung und willigte nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau sofort ein. Heute, wenige Monate später: Die Ernüchterung. Karl ist mit den neuen Aufgaben als Vorgesetzter nicht klar gekommen. «Die Mitarbeiter haben mich nicht arbeiten lassen, meinen Arbeitsablauf immer gestört», soll er sich im Austrittsgespräch geäussert haben. Verloren haben beide, Karl die Tätigkeit und die Firma gleich doppelt, indem ihnen nebst dem Fachspezialisten auch noch die Führungskraft fehlt. Es ist eine Situation wie man sie in vielen Firmen antrifft. Mit mehr Gehalt, einem anerkennenden Schulterklopfen und dem «Du schaffst das schon» ist es eben nicht getan, Mitarbeitende zu befördern.

Active Sourcing: Selbst ist das HR

Der Wettbewerb unter den Arbeitgebern um spezifische Kandidatenprofile wächst. Branchen, die unter Fachkräftemangel leiden, brauchen andere, neue Lösungen für den Rekrutierungsprozess. Active Sourcing ist einer dieser neuen Ansätze.

Active Sourcing beginnt beim Netzwerken und wartet nicht mit dem Rekrutieren bis vakante Stellen zu besetzen sind. Beim Active Sourcing geht es darum, potenzielle Kandidaten gezielt anzusprechen statt zu warten, bis diese sich nach einem Arbeitgeber ihrer Wahl umschauen.

Leo suchte auf Xing nach künftigen Masterabsolventen, noch bevor diese sich auf den Arbeitsmarkt wagten. Leo’s Begegnung mit Anna mag Zufall sein. Sie ist aber doch ein Ergebnis von Leos proaktiver Suche nach Persönlichkeiten, die gut in sein Unternehmen passen würden. Und es funktioniert – denn Leo’s Arbeitgeber ist jetzt auf Anna’s Radar. Begibt Anna sich auf Stellensuche, ist Leo seinen Konkurrenten bereits einen Schritt voraus.

Wohlfühloase und Geldmaschine – warum erfolgreiche Unternehmen Erlebniswelten schaffen

Seien wir ehrlich. Unser Blick auf die Arbeit ist veraltet. Wir halten die Mitarbeitenden immer noch so bei Laune, wie vor dreissig Jahren. Bonus, Reka-Checks und Vergünstigungen in der Kantine. Das ist von gestern.

Gegen aussen setzen wir auf Kundenerlebnisse. Schon längst. Wir sind selbst Kunden. Am Ticketschalter, im Restaurant oder im Hotel. An gute Erlebnisse erinnern wir uns gerne. An den Ort ihres Geschehens gehen wir als treue Kunden zurück. Schlechte Erlebnisse wiederholen wir nicht, auch nicht geschenkt. Warum ändern wir unser Vorgehen, wenn ein Kunde zum Mitarbeitenden wird?

«Arbeitsort Wallisellen? Nein danke!» – über die dürftige Mobilität unter Schweizer Stellensuchenden

Der definierte Radius der Wunsch-Arbeitsplätze aus Kandidatensicht beschränkt sich im Grossraum Zürich oft auf die Zürcher Innenstadt. Trotz des allgegenwärtigen Gedränges in Trams und Zügen und der oft überteuerten, engen Mittagslokale hält die City den Spitzenplatz auf der Beliebtheitsskala. Liegt der Arbeitsort ausgeschriebener Stellen in der Agglomeration von Zürich, reagieren Stellensuchende oft ablehnend. Erstaunlicherweise ist dabei im Kandidatenranking Winterthur – immerhin eine Grossstadt – teils gleichermassen unbeliebt wie Affoltern oder Adliswil. Von Niederbipp erst gar nicht zu sprechen – obwohl dort unter Umständen eine attraktive Stelle mit allen Vorzügen eines tollen Arbeitgebers in Aussicht steht. Firmen beklagen auch die abnehmende Umzugsbereitschaft der Schweizer ins Ausland – während beispielsweise Asien oder Amerika früher Magnetkraft hatten.

Gig Economy: Kann das gut gehen?

Bei der Gig Economy geht es darum, dass man unabhängig ist und sich interessante Aufträge und Projekte heraussucht – und im Idealfall auch zeit- und ortsunabhängig arbeiten kann.

Ist die Gig Economy also eine Chance, tolle Dinge mit viel Freiheit zu tun? Oder stellt sie eine grosse Gefahr dar? Vor allem für Personen, die weder über überdurchschnittliche Fähigkeiten verfügen noch unternehmerisch tätig sein wollen?

Bewerber googeln?

Die Arbeitgeberin hat alles Interesse daran, jenen Bewerber anzustellen, der am besten für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist. Sie will deshalb möglichst viel über die Bewerber herausfinden. Die meisten Informationen finden sich heute im Internet. Eine Abfrage im Internet kann weiterhelfen. Aber: Darf die Arbeitgeberin das auch?