Myra Fischer-Rosinger

Myra Fischer-Rosinger ist Direktorin von swissstaffing, dem Branchenverband der Personaldienstleister. Sie hat an der Uni Zürich Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Völkerrecht studiert und ihre Karriere in der Politikberatung gestartet u. a. bei Avenir Suisse und Reichert Consulting.
   


Temporärfirmen, die fairen Ubers

Wenn eine Mitarbeiterin in der Firma X arbeitet, ihren Arbeitsvertrag aber mit dem Stellenvermittler Y abgeschlossen hat und von ihm den Lohn erhält, dann ist das Temporärarbeit.

Eine solche Dreiecks-Konstellation kann aus verschiedenen Gründen Sinn machen: Die Firma X möchte sich auf ihr Kernbusiness fokussieren und lagert deshalb HR-Aufgaben aus. Oder: Die Firma X hat dringenden Bedarf nach einer Fachkraft und kann diese selber nicht so rasch finden. Auch möglich: Die Firma X sucht nach flexiblen Arbeitsmodellen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu halten. 

Es brodelt im Westen

Der Westen durchlebt turbulente Zeiten. In verschiedenen Ländern kommt es zu Wahl- oder Abstimmungsentscheiden, die viele für unmöglich gehalten haben. Was ist los? Die westliche Gesellschaft scheint aus dem Gleichgewicht zu geraten. Ein Unmut der Bevölkerung, wohl einhergehend mit einem Vertrauensverlust in Politik und Wirtschaft, kommt an der Urne zum Ausdruck. Das muss uns zum Nachdenken anregen.

Der Inländervorrang 2.0

Unternehmen benötigen Flexibilität: Ob wegen Globalisierung, Frankenstärke, Fachkräftemangel oder inländischem Wettbewerb – die Unternehmen sind einem Kostendruck ausgesetzt und müssen ihre Kosten optimal zuteilen.

Die Personaldienstleister ermöglichen diese Flexibilität mit Just-in-time-Lösungen fürs Personal. Die Personalkosten nehmen meist einen wichtigen Platz ein auf der Aufwandseite. Das ist in einer Wissensgesellschaft auch gut so. Umso effektiver ist es aber auch, in diesem Bereich zu flexibilisieren.

Alle haben Angst vor den Ü50

Die Ü50, das sind die Babyboomer. Sie sind nach dem Zweiten Weltkrieg in grosser Zahl zur Welt gekommen. Sie haben goldene Wirtschaftszeiten erlebt und massgeblich zum Weltwirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte beigetragen. Sie sind sich ein stetiges Wohlstandswachstum gewohnt und möchten das erreichte Niveau nach der Pensionierung aufrechterhalten. Dafür haben sie gespart. Und Vorsorgewerke geschaffen.

Haben 50 Prozent unrecht?

Und wieder einmal feiert ein Schlagwort sein Comeback – die «prekäre Arbeit». Zum Beispiel in der Berichterstattung über die neue OECD-Publikation zur Einkommensungleichheit. Die OECD stellt fest, dass der Anteil von Temporär- und Teilzeitjobs steigt und mittlerweile einen Drittel aller Anstellungsverhältnisse ausmacht. Seit Mitte der 90er Jahre seien die Hälfte der neu geschaffenen Stellen sogenannte Non-Standard-Jobs.

Die Arbeitnehmenden haben das Sagen

Ist das HR im Wandel? Vermutlich. Ganz bestimmt im Wandel ist der Arbeitsmarkt. Die Stimmen mehren sich seit geraumer Zeit, die eine Verschiebung der Angebots-Nachfrage-Balance am Arbeitsmarkt feststellen – hin zu einem Arbeitnehmermarkt. Am Arbeitsmarkt sind die Unternehmen die Nachfrager und die Arbeitnehmenden die Anbieter ihrer Arbeitsleistung. Schon heute – und am Arbeitsmarkt der Zukunft umso mehr – haben die Arbeitnehmenden das Sagen!