Markus Marthaler

Markus Marthaler war unter anderem Ausbildungsverantwortlicher für die Mövenpick Gruppe sowie als Vice President HR für die Steigenberger Hotels tätig. Heute ist er zu 80 Prozent operativ als Leiter Personal- und Organisationsentwicklung bei Schutz & Rettung Zürich angestellt und arbeitet daneben als selbstständiger Berater im Bereich der Unternehmenskultur. Er bloggt für HR Today in seiner Funktion als Geschäftsführer der Marthaler-Partner GmbH.


Betriebliches Gesundheitsmanagement: Jetzt mal ehrlich …

«Sie sind eine grosse Hoffnung.» Mit diesem Satz hat mich Herr Engeli, HR-Verantwortlicher eines internationalen Produktionsbetriebs, empfangen. Im Sitzungszimmer präsentierte er mir die Zahlen. Nein, nicht Umsatz oder GOP – sondern die Krankheitstage. Beziffert in Fakten und Konsequenzen, bis ins letzte Detail. Ich war beeindruckt. Weniger vom Resultat als vielmehr von der Tatsache, dass man dieser Tendenz der Mehrkosten seit zwei Jahren nicht entgegenwirkte.

Äpfel sind keine Birnen

Karl hat heute seinen letzten Arbeitstag. Die Unternehmensleitung ist enttäuscht und er frustriert. Dabei hörte sich während der Reorganisation alles so gut an: «Aufgrund der fachlichen Qualifikation passt Karl Trachsel ausgezeichnet in das noch leere Feld des Organigramms» – so zumindest der Tenor der externen Berater, welche den Prozess begleiteten. Karl genoss die Wertschätzung und willigte nach kurzer Rücksprache mit seiner Frau sofort ein. Heute, wenige Monate später: Die Ernüchterung. Karl ist mit den neuen Aufgaben als Vorgesetzter nicht klar gekommen. «Die Mitarbeiter haben mich nicht arbeiten lassen, meinen Arbeitsablauf immer gestört», soll er sich im Austrittsgespräch geäussert haben. Verloren haben beide, Karl die Tätigkeit und die Firma gleich doppelt, indem ihnen nebst dem Fachspezialisten auch noch die Führungskraft fehlt. Es ist eine Situation wie man sie in vielen Firmen antrifft. Mit mehr Gehalt, einem anerkennenden Schulterklopfen und dem «Du schaffst das schon» ist es eben nicht getan, Mitarbeitende zu befördern.

Bäcker mit Mehlallergie

«Sensibilisierung, Reflexion und Vorbildwirkung möchten wir im Führungsseminar vermittelt haben», lautete der Auftrag des HR-Verantwortlichen. Dann stand ich vor ihnen. Neun Leute: Buchhaltung und Marketing optisch rasch erkennbar, die Vertriebsleitung Präsenz markierend durch jeweils zwei eingeschaltete Handys auf dem Tisch. Am rechten Ende die einzige Dame – Quotenfrau oder Protokollverantwortliche? ging es mir als Frage durch den Kopf. Der CEO leider verhindert, liess man mir kurzfristig telefonisch ausrichten. Ich staunte darüber, dass ich mich nicht wunderte.