Den liberalen Arbeitsmarkt nicht aufs Spiel setzen

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PersonaldienstleistungDer liberale Arbeitsmarkt ist ein Erfolgsmodell, das der Schweiz Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand bringt. Aber was genau zeichnet ihn aus?

Das neueste White Paper von swissstaffing liefert die Antwort: Flexibilität und Sozialpartnerschaft. Das sagen 700 Personalverantwortliche von Schweizer Unternehmen.

82 Prozent unter ihnen finden es wichtig, dass flexible Arbeitsformen verfügbar sind und dass die Arbeitszeit flexibel gestaltet werden kann. Nach Angaben der Personalverantwortlichen wird im Durchschnitt ein Viertel der anfallenden Tätigkeiten von Freelancern, Temporärarbeitenden und Arbeitnehmenden mit befristetem Arbeitsvertrag erledigt. Gleitzeitarbeit mit Arbeitszeitkonten wird von 74 Prozent der Unternehmen eingesetzt.

Einer funktionierenden Sozialpartnerschaft messen die Personalverantwortlichen eine ebenso grosse Bedeutung bei wie flexibler Arbeit. Ebenfalls 82 Prozent der Personalverantwortlichen erachten die Sozialpartnerschaft als wesentlicher Bestandteil des liberalen Arbeitsmarktes.

Der liberale Arbeitsmarkt in Gefahr

Jedoch zweifelt bereits heute die Hälfte der befragten Personaler an der gelebten Praxis. Der zentrale Grund für die geringe Zufriedenheit dürfte die konfliktive Sozialpartnerschaft sein, die die Gewerkschaften seit geraumer Zeit leben: Sozialpartnerschaft einerseits, parallele gesetzliche Regulierungsversuche andererseits.

Verschiedentlich kann man beobachten, wie die Gewerkschaften dieses gefährliche Doppelspiel spielen. Zum Beispiel in der Temporärbranche, wo ein fortschrittlicher Gesamtarbeitsvertrag besteht und die Gewerkschaften gleichzeitig auf anderen Kanälen versuchen, die Temporärarbeit zu limitieren. Oder im Gastgewerbe, wo die Gewerkschaften über kantonale Mindestlöhne versuchen, Druck auf die Mindestlöhne im etablierten Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes aufzusetzen.

Dieser Strategiewechsel auf Arbeitnehmerseite lässt unser etabliertes System bröckeln. Politische Vorstösse wie kantonale Mindestlöhne, stärkerer Kündigungsschutz und Einschränkungen der Temporärarbeit drohen den liberalen Arbeitsmarkt zu schwächen.

Der Wunsch nach Flexibilität

Und wie sehen es die Arbeitnehmenden? Knapp 70 Prozent der Erwerbstätigen geben an, bereits flexibel arbeiten zu können. Und doch wünscht sich jeder Zweite noch mehr Flexibilität, wie eine repräsentative Bevölkerungsbefragung des gfs-zürich im Auftrag von swissstaffing zeigt.

Diese Flexworker fühlen sich mit den bestehenden Arbeitnehmerorganisationen aber nicht verbunden, und ihre Interessen finden deshalb keinen Eingang in die Sozialpartnerschaft. Wenn die Arbeitnehmenden ihre Jobs häufig wechseln, Pausen zwischen den Jobs einlegen und manchmal mehrere Jobs gleichzeitig ausführen, muss sich ihre Interessensvertretung neu organisieren.

Das Erfolgsmodell bewahren

Für ein Land ohne natürliche Ressourcen ist ein liberaler Arbeitsmarkt nebst Bildung und Infrastruktur als Standortfaktor entscheidend. Ein internationaler Vergleich belegt den positiven Einfluss liberaler Arbeitsmärkte: Je flexibler ein Arbeitsmarkt gestaltet ist, umso geringer ist die Schattenwirtschaft und umso wettbewerbsfähiger ist das Land.

Wir tun also gut daran, uns den liberalen Arbeitsmarkt zu bewahren. Dazu muss die Flexibilität hochgehalten werden, und die Sozialpartnerschaft muss sich reformieren.

1 comment for “Den liberalen Arbeitsmarkt nicht aufs Spiel setzen

  1. 26. März 2020 um 4:23

    Eher trifft das Gegenteil zu: Im internationalen Vergleich gehört die Schweiz zu den Ländern mit relativ geringen Einkommensunterschieden. Die drei grossen Nachbarn der Schweiz weisen grössere ökonomische Ungleichheiten auf. Die neue Publikation von Avenir Suisse trägt einige zentrale Fakten und Zusämmenhange zur Einkommens- und Vermögensverteilung der Schweiz zusammen. Sie zeigt, dass zunehmende Umverteilung und Regulierung den heute breit verteilten Wohlstand der Schweiz aufs Spiel setzen.

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