Tag Archive for Bewerbung

Assessment – und ich sage dir wer du bist

«Jakob Dreher, der dritte Kandidat, ist für mich nach den Interviews der Top-Favorit.» Felix Spycher, der Abteilungsleiter, lehnt sich zufrieden zurück. Details werden abgestimmt und die HR-Beraterin leitet die nächsten Massnahmen ein.

Wenig später entscheidet die Geschäftsführung, dass neu ab Stufe Gruppenleiter ausnahmslos ein Assessement durchgeführt wird. Jakob Dreher wird dazu aufgeboten und einen Tag lang auf Herz und Nieren geprüft.

Kostenpunkt inklusive Nachgespräch: 8900 Franken. Fazit: Die Aussagen der Assessoren über seine Leistungen an diesem Tag sind durchzogen. Das Urteil, wenn auch diplomatisch zweideutig formuliert: Nicht geeignet!

Charakter vor Zertifikat: Abschluss war gestern

Hochschulabschluss, fliessend in fünf Sprachen, drei Jahre im Ausland und nicht älter als 25 Jahre – Jobbeschriebe werden immer abstruser. Und bei all den verlangten Anforderungen wird vergessen, was überhaupt das Ziel ist. Unternehmen wollen eigentlich einfach neue Mitarbeitende finden. Mitarbeitende, die motiviert und lernfähig sind und sich für ihre Tätigkeit begeistern. Solche Menschen müssen nicht unbedingt an einer renommierten Hochschule studiert haben. Oftmals sind genau diejenigen, welche sich aus eigenem Antrieb für ein Thema oder ein Gebiet interessieren, diejenigen mit dem grössten Engagement.

Im IT-Bereich etwa gibt es sehr viele junge Talente, die entweder gar nie an einer Hochschule waren oder diese bereits nach wenigen Semestern wieder verlassen haben. Darunter auch der allseits bekannte Innovatoren wie Steve Jobs und Bill Gates. Diese Talente sollten sich Unternehmen nicht entgehen lassen.

Womenomics: Das ganze Potential ausschöpfen

Super Ausbildung, bereit für den Arbeitsmarkt, zwischen 25 und 30 Jahre alt. Und schon in der Karrieresackgasse. Die Realität dämpft die Erwartungshaltung von jungen Absolventinnen. Natürlich ist die Karriere kein Erfolgsprogramm der ersten Berufsjahre. Karriere ist eine lange Reise. Der Fall von Anna hat aber einen weiteren Haken. Wo sie sich beworben hat, wird nur befördert, wer 100 Prozent arbeitet. Hat eine Frau ein Kind, ist das nahezu unmöglich.

Natürlich können Organisationen nicht jeden befördern, der befördert werden will. Aber wenn Mitarbeitende nicht einbringen dürfen, was sie können, dann liegt Potential brach. Wenn zudem Frauen nach der Familienzeit wegen Einschränkungen den Weg nicht mehr zurück in die Karriereplanung oder gar ins Berufsleben finden, ist das tragisch – und volkswirtschaftlicher Nonsens: Auf Staatskosten ausgebildete Fachkräfte finden keinen Platz in der Praxis.

Warum wir für Jobsplitting sind und wie Leo in ein Fettnäpfchen tritt und sich daraus wieder befreit, erfahrt ihr im heutigen Podcast.

«Arbeitsort Wallisellen? Nein danke!» – über die dürftige Mobilität unter Schweizer Stellensuchenden

Der definierte Radius der Wunsch-Arbeitsplätze aus Kandidatensicht beschränkt sich im Grossraum Zürich oft auf die Zürcher Innenstadt. Trotz des allgegenwärtigen Gedränges in Trams und Zügen und der oft überteuerten, engen Mittagslokale hält die City den Spitzenplatz auf der Beliebtheitsskala. Liegt der Arbeitsort ausgeschriebener Stellen in der Agglomeration von Zürich, reagieren Stellensuchende oft ablehnend. Erstaunlicherweise ist dabei im Kandidatenranking Winterthur – immerhin eine Grossstadt – teils gleichermassen unbeliebt wie Affoltern oder Adliswil. Von Niederbipp erst gar nicht zu sprechen – obwohl dort unter Umständen eine attraktive Stelle mit allen Vorzügen eines tollen Arbeitgebers in Aussicht steht. Firmen beklagen auch die abnehmende Umzugsbereitschaft der Schweizer ins Ausland – während beispielsweise Asien oder Amerika früher Magnetkraft hatten.

Bewerber googeln?

Die Arbeitgeberin hat alles Interesse daran, jenen Bewerber anzustellen, der am besten für die ausgeschriebene Stelle geeignet ist. Sie will deshalb möglichst viel über die Bewerber herausfinden. Die meisten Informationen finden sich heute im Internet. Eine Abfrage im Internet kann weiterhelfen. Aber: Darf die Arbeitgeberin das auch?

Kreative Bewerbungen?

Kreative Bewerbungen: Was spricht dagegen? Dies überlege ich mir im heutigen Podcast. Es gibt immer wieder kreative Bewerbungen, die mich begeistern. Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen. Im heutigen Podcast überlege ich mir, was gegen kreative Bewerbungen spricht und was es braucht, damit solche funktionieren.

In Stelleninseraten steht viel Blödsinn

Viele Stelleninserate enthalten völlig unrealistische Anforderungen. Und das wissen die Kandidaten natürlich. Aber wie kommen wir aus diesem Teufelskreis wieder heraus?

Wir haben uns daran gewöhnt, in Stelleninseraten die Anforderungen in Bezug auf Ausbildung, Erfahrungen und Fähigkeiten schamlos aufzubauschen. Und die Kandidaten bewerben sich deshalb auch dann, wenn sie nicht alle Kriterien erfüllen. Manchmal funktioniert es. Aber oft führt dies bei allen Betroffenen, also Recruitern, Linienvorgesetzten und Bewerbern, zu unnötigem Frust.

Aber wie wäre es, wenn wir Stelleninserate ohne Anforderungsliste veröffentlichen würden?

In dieser Folge der HR Today Minutes bespreche ich eine Idee von Gianni Raffi, die ich bereits in meinem Podcast zur Recruiting Convention 2015 erwähnte.

Mindestalter 40 für Recruiter?

Ich sinniere gerade so vor mich hin. Auslöser: Ein Blogartikel über Diskriminierung in der Personalauswahl. Darin wollte ich ja eine kleine Liebeserklärung für das Foto im Bewerbungsdossier abgeben. Habe ich auch gemacht. Und doch bin ich etwas nachdenklich. Schauen wir den Tatsachen direkt ins Auge. In der Personalauswahl menschelt es. Das war nun die schönere Formulierung. Klar ausgedrückt: Wir diskriminieren.