Flexible Arbeitswelt = gesündere Arbeitswelt

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GesundheitsmanagementDie Grenze zwischen Arbeit und Gesellschaft schwindet langsam. Eigenverantwortung der Mitarbeitenden gegenüber ihrer Gesundheit löst die betriebliche Fürsorgepflicht ab. Waren die Patrons früher um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden besorgt («Du arbeitest für mich und ich schau für Dich»), wird diese Verantwortung heute an den Mitarbeitenden abgetreten («Lohn gegen Leistung und sonst nichts»). Aber geht das auf?

Denn, gleichzeitig wollen die Arbeitgeber ein belastbares Humankapital, das mit guter Gesundheit, hoher Motivation und Leistungsbereitschaft hilft, die Gewinnzahlen des Unternehmens zu optimieren.

Flexibilisierung der Arbeitswelt bedeutet, dass Berufsbiografien und somit arbeitsinhaltliche Anforderungen einem stetigen Wandel unterzogen sind – Arbeitsorte und Arbeitszeiten werden flexibel. Mit der Flexibilisierung wächst auch der Handlungsspielraum. Das ist grundsätzlich besser für die Gesundheit und fördert das Engagement der Mitarbeitenden.

Um die Gesundheit der Mitarbeitenden in flexiblen Arbeitsformen hoch zu halten, respektive zu fördern, braucht es zusätzliche Ressourcen: Beispielsweise eine positive Feedback-Kultur, klare Zuständigkeiten, fachliche und soziale Unterstützung oder auch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Für Mitarbeitende mit hohen eigenen Leistungsansprüchen, hohem Engagement und Hingabe zu Arbeit und Arbeitgeber (die interessiert Selbstgefährdeten), kann eine flexible Arbeitswelt indes ein Risiko sein. Die Gefahr, stressbedingt krank zu werden, weil man sich zu sehr verausgabt steigt gar enorm an, wenn die Kontrollsysteme wegfallen.

Um gesund zu bleiben, benötigen wir in der flexiblen Arbeitswelt gewisse Kontrollsysteme wie zum Beispiel geregelte Arbeitszeiten oder Gesundheitsbefragungen. Und es braucht Massnahmen, die es den Firmen erlauben Strukturen zu schaffen, dass ihre Mitarbeitenden gesund bleiben.

Aktuelle politische Initiativen zur Abschaffung von solchen Kontrollsystemen, sind definitiv kontraproduktiv.

4 comments for “Flexible Arbeitswelt = gesündere Arbeitswelt

  1. Michael Postmeyer
    18. Oktober 2018 um 20:22

    Das klingt mir dann doch zu sehr nach einer überkommenen Haltung. Der Mitarbeiter als unselbständiges Wesen, der selbst in seiner eigenen Souveränität noch kontrolliert werden muss. Wie wäre es alternativ mit Vertrauen, dass die Menschen bei uns im Unternehmen ihr Leben auch in beruflichen Dingen ganz gut selbst in die Hand nehmen können; können sie ja in privaten Dingen in der Regel auch. Warum werden Sie unmündig, wenn es um den Job geht? Gut ist, gemeinsame Spielregeln zu vereinbaren. Führung muss dann helfen, wenn es dann nicht gut funktioniert, z. B. durch begleitende Angebote aus dem Gesundheitsmanagement. Dann haben wir auch souveräne Mitarbeiter in unseren Unternehmen. Kontrolle für alle war gestern.

    • 19. Oktober 2018 um 7:44

      Lieber Herr Postmeyer
      Ihr idealisiertes Bild von mündigen eigenverantwortlichen Mitarbeitenden in Ehren! Leider sehe ich in der täglichen Praxis, dass wir noch weit von diesem Wunschziel – das übrigens auch meines ist – entfernt sind! Die Zunahme an gestressten Arbeitnehmenden mit Krankheitsausfällen wegen chronischen Stresskrankheiten widerspricht in der Praxis der von Ihnen gewünschten Wirklichkeit. Ich wäre froh, alle Arbeitnehmenden hätten die Fähigkeit eigenverantwortlich gesund zu arbeiten.

      • Michael Postmeyer
        19. Oktober 2018 um 10:28

        Lieber Herr Kissling,

        Da bin ich bei Ihnen. Ich bin jedoch der Meinung, dass es zielführender ist, Mitarbeiter zu sensibilisieren und Führungskräfte im Umgang mit dieser Herausforderung zu schulen als Kontrollen zu manifestieren die auch regelmäßig Verbote nach sich ziehen und am Ende häufig das eigentliche Problem auch nicht lösen. Ich finde, dass unser Gesundheitssystem diesen Gedanken ja auch breitflächig postuliert und fördert. Stichwort Prävention.

        • 19. Oktober 2018 um 16:37

          Der Mensch tickt leider anders als das System. Man ist sich in den meisten Unternehmen den Führungspflichten bewusst. Diese vollumfänglich anzuwenden, werden jedoch immer schwieriger und komplizierter. Der Mitarbeitende meint, dass er eigenverantwortlich und selbstbestimmend durchs Leben kommen kann. Führungspflichten contra Führungsansprüche stehen leider nicht mehr im Gleichgewicht. Hier muss gehandelt werden und zwar mit neuen, auch gesundheitsfördernden Massnahmen und Regeln – auch als Unterstützung für die Unternehmensführung. Modelle und Entwicklungen unter dem Stichwort «Reshape Workspace» werden hier neue Wege aufzeigen.

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