Covid-19 und die Fortsetzungen der digitalen Transformation

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DigitalisierungEs wird allgemein erwartet, dass das Virus die Digitalisierung verstärken wird. Der Artikel zeigt fünf verschiedene Wege auf, wie Unternehmen die digitale Transformation fortsetzen könnten und konkretisiert diese aus Sicht von HR.

 

Die erste Welle des Corona-Virus haben wir überstanden. Der Lockdown wurde aufgehoben, die Restaurants und Grenzen sind wieder offen. Nun aber beginnt das Aufräumen. Es drohen Pleiten und neue Pandemien. Zudem ist vielerorts zu klären, wie man die raschen Fortschritte der letzten Woche verstetigen kann. Es ist wie nach einer wilden Party, wo wir als verkaterte Gastgeber alles wieder in Stand bringen, um unseren Alltag fortzusetzen.

HR Today Bloggerin Barbara Josef spricht von einem Restart. Dabei gilt es mittlerweile als Binsenwahrheit, dass Covid-19 als Booster der Digitalisierung funktionieren wird. Wenn wir die Bildschirme, Automaten und Türknöpfe hygienebedingt nicht mehr anfassen wollen, wenn wir öfters von Zuhause aus arbeiten und wenn wir häufiger im Internet shoppen, streamen und Bücher ausleihen, führt kein Weg an einer Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur vorbei.

Allerdings ist digitale Transformation nicht gleich digitale Transformation. Als Showrunner haben wir mehrere Varianten, um ihre Geschichte fortzuschreiben. Es ist ein Verdienst des Virus, diese Vielfalt aufgezeigt und uns zur Wahl aufgefordert zu haben. Zusammen mit digitalswitzerland haben wir mögliche Fortsetzungen in einem Whitepaper zusammengefasst. Hier im Artikel spitze ich diese zu und skizziere, welche Konsequenten die Wege für HR hätten.

Variante A: Covid-19 rückt digitale Effizienzsteigerungen in den Vordergrund

In einer ersten Fortsetzung nutzen Unternehmen die intensivierte Digitalisierung für Effizienzsteigerungen. Sie bauen digitalen Prozesse aus, lenken ihre Kunden auf Online-Kanäle und bargeldlose Bezahlung um. Weil es weniger Mitarbeitende braucht – in Schalterhallen, Büros, im Service – und diese in der Rezession grosse Kostenblöcke sind, werden sie abgebaut. HR ist einerseits gefordert, diesen Abbau zu antizipieren und zu begleiten. Anderseits gilt es die eigenen Prozesse so effizient wie möglich zu halten, also zu digitalisieren oder zu eliminieren.

Variante B: Covid-19 läutet die Hyperdigitalisierung ein

Statt aus einer Effizienzperspektive könnten Unternehmen die Zukunft der digitalen Transformation stärker aus einer Innovationsperspektive betrachten. Dann führt das Virus insbesondere zu neuen Interfaces. Intelligente Brillen und Lautsprecher würden ebenso Standard wie Drohnen aller Art. Für HR rückte das Rekrutieren der Visionärinnen in den Vordergrund – um diese hyperdigitale Zukunft mitgestalten und von ihren Märkten profitieren zu können. Ohne entsprechendes Kultur-, Führungs- und Organisationsverständnis bleiben die Visionärinnen aber stecken.

Variante C: Covid-19 macht die Digitalisierung grün

Abseits der Verschwörungstheorien gilt Covid-19 als Zoonose – als Viruserkrankung, die von Fledermäusen oder Schuppentieren auf den Menschen gesprungen ist. Aus dieser Perspektive müssten wir die Errungenschaften der Digitalisierung künftig nutzen, um das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen zu verbessern. Mehr wilde Natur, Nachhaltigkeit und Biodiversität wären gefragt. In diesem Szenario fügen sich die digitale und die grüne Transformation zusammen. Als Schleusenwart organisiert HR die Fusion der beiden Change-Programme.

Variante D: Covid-19 etabliert neue Gremien der Transformation

Der digitale Booster verleiht digitalen Expertinnen und Digital Natives in der Strategiearbeit mehr Gewicht. Seit Jahren versuchten sie dem Management die Mehrwerte des Digitalen zu erklären. Genauso stärkt Covid-19 die Position der Mitarbeitenden, die täglich mit Hilfe des Digitalen an der Schnittstelle zu Kundinnen, Bürgerinnen und Patientinnen arbeiten. Aus einer vierten Perspektive wäre die Steuerung der Transformation neu zu denken: Weg von Workshops mit dem Topmanagement hin zum Beobachten der Basis und der Integration von Digital Natives.

Variante E: Covid-19 legt den Fokus auf digitale Basisarbeit

Fünftens könnte das Virus die digitale Transformation weg von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Blockchain lenken. Die letzten Monate zeigten auf, wo es in der Schweiz noch an digitalen Grundlagen fehlt. Wir erlebten, wie KMU ohne digitale Präsenz und Geschäftsmodelle Verluste einfuhren, das Datenmanagement der Behörden ungenügend wirkte oder dass Ausgleichskassen noch keine Portallösungen haben. Ohne digitale Basis – ohne Webseiten, CRM und HR-Self-Services-Portale – werden alle anderen digitalen Ideen für immer Träume bleiben.

 

Einer der Chancen der Pandemie-Erfahrungen ist die Öffnung der Zukunft. Wir befinden uns wieder in einer Position, um neue Geschichten über sie zu erzählen. Es ist zu hoffen, dass die vor dem Virus wahrgenommene Langweile in der Auseinandersetzung mit der Zukunft endet, die beobachteten Denkblocken aufbrechen, die Technologiekritischen und -gläubigen wieder miteinander sprechen und die Diversität in der Steuerung unserer Unternehmen zunimmt. HR könnte diese Chance für Neuanfänge packen und sich an den Tisch der Storyteller setzen.

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