Begeisterungsfähigkeit macht erfolgreich

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Bei einem kulturellen Anlass kam ich zufälligerweise mit einer Dame ins Gespräch. Ihr Strahlen, ihre Sprache, ihre gedankliche Wendigkeit und ihre freundliche Offenheit machten sie zu einer interessanten Gesprächspartnerin. Beiläufig erwähnte sie, 84 Jahre alt zu sein. Als ich ihr sagte, wie gut es tue, ältere Menschen wie sie kennen zu lernen, die Lebensfreude ausstrahlen und ihr Leben bewusst und mutig gestalten, lachte sie und meinte bescheiden: «Ich war einfach mein ganzes Leben lang begeisterungsfähig.»

Doping für Körper und Geist

«Das ist es, was Menschen lebendig und sympathisch macht: Begeisterungsfähigkeit», fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Begeisterungsfähigkeit macht das Leben bunt. Begeisterungsfähigkeit schützt vor Langeweile, Trübsal und depressiven Verstimmungen. Das gilt für das Privat- wie für das Erwerbsleben. Ich behaupte: Begeisterungsfähigkeit macht erfolgreich.

Begeisterungsfähigkeit ist zudem gesund, belebend. Physiologisch ist Begeisterung ein Erregungszustand des Mittelhirns. Es werden Neurotransmitter ausgeschüttet, beispielsweise Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin sowie Endorphine und Enkephaline. Begeisterungsfähigkeit bedeutet also Doping für Körper, Geist und Seele – ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Energie, die antreibt

In der Enzyklopädie der Werte finde ich: «Die Begeisterung beschreibt ein aussergewöhnlich starkes Interesse in Verbindung mit grosser Freude, die durch Anregung der emotionalen Zentren in unserem Gehirn herbeigerufen wird und somit unsere geistige Fähigkeit steigert. Der Begriff Begeisterung bezeichnet aber nicht nur ein Verhalten, sondern auch einen biologischen Prozess, der uns Menschen dazu antreibt, beispielsweise etwas zu erlernen und zudem hilft, hierbei schnell Fortschritte zu erlangen.»

Begeisterung hat viele Farben. Meist kräftige. Denn in der Begeisterung steckt Energie. Energie, die antreibt, Energie, die sich auf andere überträgt. Und Energie, welche die Begeisterungsfähigkeit wiederum nährt. Eine echte Energiespirale, solange man nicht an Grenzen stösst. Dann ist Frustrationstoleranz gefragt – auch eine wichtige Kompetenz, insbesondere als Ergänzung zur Begeisterungsfähigkeit.

Begeisterungsfähigkeit fördern

Im Wort «Begeisterung» steckt «Geist» drin, meint also «mit Geist erfüllen», «beleben». Begeisterungsfähigkeit ist definitiv eine Kernkompetenz. Kann man sie auch fördern? Bestimmt! Denn der Schlüssel für Begeisterungsfähigkeit liegt in der inneren Haltung – und dafür trägt jeder die eigene Verantwortung. Es gilt, die Grundeinstellung zu überprüfen. Ist mein Menschen- und Weltbild von Offenheit, Toleranz und Selbstwirksamkeitsglauben geprägt? «Muss» ich arbeiten, oder «will» ich arbeiten?

Ein anderer Aspekt ist die Wahrnehmung: Habe ich einen Grauschleier oder eine Milchglasscheibe vor der Wahrnehmung oder kann ich mit Glitzer und bunten Farben meine Wahrnehmung beleben? Ist das Glas immer halb voll? Fördern positive Glaubenssätze wie «Wer weiss, wozu das gut ist?» oder «Es kommt schon gut?» meine alltägliche Befindlichkeit?

Begeisterungsfähigkeit hat auch mit Energie-Balance zu tun. Begeisterung beinhaltet Energie, gibt Energie. Wir brauchen selten den Ausdruck «glühen für etwas». Die Franzosen aber haben «feu sacré» – wow! Das hat bestimmt nichts mit «Strohfeuer» zu tun.

Begeisterung statt Motivation

In der Personalselektion sollte die Begeisterungsfähigkeit unbedingt mehr Gewicht bekommen. Aber auch in der Burnout-Prävention. Vielleicht sollte man ab und zu die Begeisterungsfähigkeit im Berufsleben skalieren (lassen) – von eins bis zehn. Wenn die Punktezahl sinkt, sind einige Fragen angebracht. Denn arbeiten mit «null Bock» bringt niemandem was, weder dem Erwerbstätigen noch den Unternehmen.

Vielleicht braucht es etwas Mut, das Wort «Motivation» im Mitarbeitergespräch durch «Begeisterungsfähigkeit» zu ersetzen – denn viele Mitarbeitende sind auf den Begriff «Motivation» allergisch geworden.

Begeisterungsfähigkeit reisst mit. Statt über fehlende Motivation zu monieren, hilft es garantiert, eigene Begeisterungsfähigkeit auf andere auszustrahlen.

«Manche Menschen verursachen Glück und Freude, wohin auch immer sie gehen. Andere, wenn sie gehen.» (Oscar Wilde)

Anmerkung der Redaktion: 

Karriere-Bloggerin Regula Zellweger verabschiedet sich nach fast drei Jahren und elf Beiträgen von unserem Blog. Ihren Entscheid bedauern wir sehr. Wir sind stolz darauf, dass wir Regula Zellweger an Bord haben durften und bedanken uns für ihren tollen Einsatz und ihre begeisternden und aufgeweckten Beiträge. 

Das Thema «Karriere» wird 2018 neu besetzt. 

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