Achtung: Wir werden gerade rechts überholt!

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Kein Bereich hat sich in den letzten Jahren so intensiv mit Menschen beschäftigt wie das Marketing. Was beschäftigt meine Kunden? Wie hole ich sie ab? Wie kann ich sie begeistern? Wie werden sie zu meinen Botschaftern? Wie kann ich Kunden besser an mein Unternehmen binden? Marketing sammelt Daten, testet Kommunikationskampagnen, führt Fokusgruppen-Gespräche und macht sich Social Media zum Zauberstab. Klar, auch Marketing leidet unter Budgetschwund. Gleichzeitig vervielfachen sich die Investitionsmöglichkeiten. Die Kunden werden anspruchsvoller und lassen sich kaum noch von schöner Werbung blenden. Präzise Kenntnisse der Zielgruppe sind also Gold wert. Ebenso unkonventionelle, kreative Lösungsansätze.

Dabei beginnt sich Marketing zunehmend für die Mitarbeitenden zu interessieren. Gibt es glaubwürdigere Markenbotschafter? Sind nicht die Mitarbeitenden die ultimativen Kunden-Glücklichmacher? Der Weg des effizienten Marketings führt also über den Mitarbeitenden.

Bei Google, Apple, Ritz-Carlton oder Hilti sind die Mitarbeitenden längst Teil einer höchst effizienten Marketingmaschine und der Marke. Sie tragen die Unternehmensstory zum Kunden. Und sie tun es mit Begeisterung.

Begeisterte Mitarbeitende kommen gerne zur Arbeit, sind weniger krank und zeigen eine markant höhere Leistungsbereitschaft. Sie bringen Ideen ein und denken für das Unternehmen – nicht für den nächsten Karriereschritt.

Und HR? Wird gerade rechts überholt. Was macht HR dafür, dass sich die Mitarbeitenden emotional ans Unternehmen binden? REKA Checks verteilen? Pensionskassenausweise versenden? Mitarbeiterumfragen? Hochschulmarketing?

HR muss gemeinsame Sache machen mit Marketing und Kommunikation. Markenführung und Unternehmenskultur gehören zusammen. HR muss sich mit Marketing befassen. Sich Kenntnisse über Zielgruppenkommunikation aneignen. Wissen, wie man Beziehungspflege zu den Kunden auf die Mitarbeitenden überträgt. Kontaktpunktmanagement beherrschen. Moderator sein bei der gemeinsamen Suche mit Mitarbeitenden nach neuen Lösungen und kreativen Ideen, um das Unternehmen agiler und profitabler zu machen.

Employer Branding ist ein grosses und meist falsch verstandenes Modewort. Eigentlich ist es einfach: Es geht um Profitabilitätssteigerung mit den Mitarbeitenden als Triebfeder.

Marketing weiss heute schon: Mitarbeitende sind der Schlüssel zum Kunden – nicht die Werbung. Dazu brauchen sie eine Botschaft, die sie jeden Tag selber (er)leben und weitertragen können.

Schafft es das HR endlich, diese Feder zu spannen oder sollen wir lieber das Marketing rufen?

4 comments for “Achtung: Wir werden gerade rechts überholt!

  1. Rahel Zobrist
    27. Mai 2015 at 14:50

    Besten Dank für diesen Artikel – spricht er mir doch aus dem Herzen. Nachdem ich die Ausbildung zur Marketingfachfrau vor 4 Jahren abgeschlossen habe, entwickelte sich meine Karriere in Richtung HR. Der Entschluss mich als HR-Fachfrau ausbilden zu lassen war schnell gefasst. Jedoch stosse ich im Fach Personalmarketing enorm an meine Grenzen – fühle ich mich doch meist wie eine Hexe in einem früheren Jahrhundert, die nächstens auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Sämtliche Ansätze aus dem Marketing, welche wunderbar auf Fragestellungen im Personalmarketing anwendbar wären, werden von der Dozentin als nicht zulässig und sogar falsch deklariert. Schade, dass das wertvollste Gut eines Unternehmens gemäss Lehrbuch nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit betrachtet wird wie dessen Produkte.
    Beste Grüsse
    Rahel Zobrist

    • 28. Mai 2015 at 21:48

      Hallo Rahel – Wenn HR Marketing unterrichtet, dann ist das natürlich so eine Sache. Deine Frustration kann ich gut nachvollziehen. Ich sehe auch immer wieder Unternehmen, wo HR und Marketing Tür an Tür sitzen. Marketing versteht nicht , wie wichtig die Mitarbeitenden als Kunden und Markenbotschafter sind und HR hat keine Ahnung wie wenig Marketingwissen es braucht um die Arbeitgeberattraktivität zu substantiell zu steigern. Aber darum braucht es ja Menschen wie Dich: Es gibt noch viel zu tun!

  2. 26. April 2015 at 22:49

    … Wieso denn soll HR im Alleingang hier voranschreiten, ein neues Silo schaffen. Aus meiner Sicht ist Kooperation, interdisziplinäres Handeln angesagt und dann auch gemeinsames Ernten der Früchte. TB

    • 27. April 2015 at 14:31

      Danke für den Input, Thomas – jetzt nimmst Du mir schon fast den nächsten Blog vorneweg. Employer Branding ist nicht Sache des HR. Wir verstehen uns. Das ändert aber nichts daran, dass HR noch einiges an Marketingwissen aufarbeiten muss und bereit sein muss von einigen alten Zöpfen Abschied zu nehmen. Mit bestem Gruss Christoph

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