Stellenantritt während Corona: ein Erfahrungsbericht

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Im Frühjahr bereicherten wir unser Team mit neuen Talenten – ohne zu ahnen, dass die «übliche» Einführung nicht möglich sein wird. Dass das Coronavirus eine solch einschneidende Wirkung hat, konnte schliesslich niemand wissen. Doch wie fühlt es sich in einer solchen Zeit bei der Arbeit an und wie findet man sich im neuen Team zurecht? Spürt man da überhaupt den Teamspirit? Stefanie, neu in der Abteilung Marke & Kommunikation bei Yousty, erzählt von ihren Erfahrungen.

Montagmorgen, 9. März 2020, 8 Uhr.
Nervös aber voller Vorfreude stehe ich vor meinen zukünftigen Büroräumlichkeiten. Ich freue mich auf den ersten Arbeitstag meines neuen Jobs. Unerwartet herzlich (positiv gemeint!) werde ich von meinen neuen Arbeitskolleginnen und -kollegen begrüsst. Die Unternehmenskultur ist herzlich, modern, innovativ und sympathisch. Der erste Arbeitstag ist strukturiert von A-Z. Viele neue Gesichter und viele Infos prasseln auf mich ein. Müde, aber glücklich verlasse ich das Büro, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.
Die ganze Woche verläuft ruckzuck und nach einigen gemeinsamen Mittagspausen und Töggeli-Matches, bestätigt sich mein positiver Eindruck des Arbeitsklimas und des Teams.

Freitagabend, 13. März 2020, 17 Uhr.
Ich verlasse die Büroräumlichkeiten und freue mich auf das Wochenende. Auch wenn es extrem viele Informationen waren, die ich in meiner ersten Arbeitswoche aufnehmen und verarbeiten konnte, freue ich mich bereits wieder auf Montag. Ich freue mich darauf, laufend Teil des Teams zu werden und meinen Beitrag zum Teamspirit zu leisten.

Am Wochenende erzähle ich Familie und Freunden begeistert von meiner ersten Arbeitswoche und wie sich meine Tätigkeiten im Unternehmen gestalten werden. Ich überlege mir, was ich in der kommenden Woche als Einstands-Znüni backen könnte. Doch dann der Dämpfer.

Sonntagabend, 15. März 2020, 18 Uhr.
Ich erhalte die Mitteilung, dass die ganze Firma ab sofort nur noch im virtuellen Office arbeitet.

Virtuelles Office

Dass Covid-19 zu Beginn des Jahres 2020 bereits ein Thema ist, über das die ganze Welt spricht, ist keine Überraschung. Dass sich mein Stellenantritt, auf den ich mich so gefreut habe, durch das Virus anders gestaltet als ich mir das vorgestellt habe, wirft mich tatsächlich etwas aus der Bahn.
In meinem Kopf wimmelt es nur so von Gedanken: Wie geht es der Firma finanziell? Wie soll ich virtuell eingearbeitet werden? Werden sie mich in einer solchen Situation überhaupt behalten? Wie komme ich mit Homeoffice klar?

Lösungen müssen her!

Ich war eine Woche im Büro, die restliche Einarbeitungszeit erfolgt von zuhause aus. Dank eines gut strukturierten Einarbeitungsplans und die Unterstützung meines Teams, bleibe ich positiv. Ich komme erstaunlich schnell klar mit meinen Aufgaben und lerne alle Programme und Abläufe virtuell kennen. Zoom-Meetings und regelmässige Check-ins am Morgen und Check-outs am Abend geben mir Sicherheit und Struktur. Ich fühle mich trotz der Umstände als Teammitglied und weiss, dass ich bei Fragen jederzeit unterstützt werde. Es ist beeindruckend, wie das Unternehmen unter Druck effizient funktioniert und sogar neue Mitarbeitende virtuell eingearbeitet werden.

Vorteile und Nachteile

Wie in vielen anderen Situationen, gibt es auch bei einem Stellenantritt ohne direkten menschlichen Kontakt Vor- und Nachteile.

Vorteile:

  • Kein Arbeitsweg. Der Beginn einer neuen Stelle ist immer anstrengend. Neue Leute, eine neue Umgebung, viele Informationen und ein neuer Arbeitsweg. Im Homeoffice fällt dieser externe Stressfaktor weg. Man spart dadurch Zeit und Energie und kann letztere sinnvoll in die Einarbeitungsphase investieren.
  • Auch wenn man einen Prozess nicht gleich versteht, hat man Zuhause seine Ruhe und kann sich die Arbeit selber einteilen. Man fühlt sich nicht so unter Druck, wie wenn einem jemand im Büro über die Schulter schaut.

Nachteile:

  • Wenn Fragen oder Unklarheiten auftauchen, zögert man eher, jemanden anzusprechen. Man weiss nicht genau, ob die andere Person gerade beschäftigt ist oder Zeit hat. Im Büro ist diese Hemmschwelle etwas niedriger.
  • Der menschliche Kontakt fehlt. Man ist zwar über Zoom oder andere Plattformen täglich in Kontakt – das Zwischenmenschliche fehlt jedoch sehr.

Eines ist klar: Ich werde diese Einarbeitungszeit wohl nie vergessen und ich freue mich mehr denn je darauf, meine Arbeitskolleginnen und -kollegen persönlich kennenzulernen und den Teamspirit so richtig aufleben zu lassen.

Die Corona-Pandemie hat zwar viel Leid mit sich gebracht, doch sie hat viele Menschen und Firmen dazu angeregt, das Potential für Veränderungen zu erkennen und wer weiss: ich wünsche mir, dass gewisse digitale Prozesse für die kommenden Jahre sogar beibehalten werden. Oder sollten wir uns nicht viel eher die Frage stellen, wie lange Firmen, die nicht auf den Zug des Online-Business aufspringen, noch überleben?

Ich finde, Firmen, die bereits vor dieser Situation auf Online gesetzt haben, waren und sind noch immer klar im Vorteil. An einem Sonntagabend zu informieren, dass ab sofort alle im Homeoffice arbeiten ist nur dann möglich, wenn man entsprechend organisiert und von der Infrastruktur her darauf vorbereitet ist. Wer nach all dem die Prozesse trotzdem nicht in die digitale Richtung verlagert, bei dem scheint der Zug abgefahren.

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