Innovation in Grossfirmen: Auch eine HR-Aufgabe (Teil 2)

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Innovativ sein will jede Firma, wirklich gelingen tut es aber nur wenigen. Besonders die grossen tun sich teils schwer damit. Wieso eigentlich?

Das Phänomen begrifflich auf den Punkt gebracht hat Clayton Crhistensen, Professor an der Harvard Business School, mit dem Ausdruck «Innovator’s Dilemma». Seine Erklärung dazu: Etablierte, erfolgreiche Firmen konzentrieren sich grundsätzlich zu stark auf die gegenwärtigen Kundenbedürfnisse, statt weiterhin disruptive zukunftsorientierte Innovation zu betreiben, wie sie es anfänglich als Start-up getan haben.

Wie können Führungskräfte von Grossfirmen mit dem Innovator’s Dilemma umgehen? Wie schon in meinem letzten Post erwähnt, gibt es zwei Optionen:

  1. Sie reduzieren die interne Trägheit, in dem sie bewusst abteilungsübergreifende Initiativen und informelle Austausche unter Mitarbeitenden fördern. Ziel muss sein, das gesamte soziale Kapital der Firma auszuschöpfen.
  1. Sie öffnen sich gegenüber Start-ups und suchen nach Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. 

Über Option 1 habe ich in meinem letzten Post geschrieben. Befassen wir uns also mit Punkt 2 und der zugrunde liegenden Kernfrage: Wie öffnen sich etablierte Grossfirmen gegenüber Start-ups? Hierzu drei Beispiele.

Die Swisscom hat in den letzten Jahren mehrere Plattformen geschaffen, um mit Start-ups gemeinsame Sache zu machen. So auch mit dem Co-Working- und Unternehmerzentrum Impact Hub Zürich. Eine dieser Kooperationsformen ist das Impact Hub Fellowship ICT4Good, wo sie gemeinsam nach innovativen Geschäftsmodellen suchen, die Informations- und Kommunikationstechnologie mit einem positiven Impact verbinden. Marius Schlegel von Swisscom sagt dazu: «Mit dem Fellowship ICT4Good haben wir 2014 Neuland betreten. In Ergänzung zu unseren Förderprogrammen wollten wir in Partnerschaft mit dem Impact Hub Zürich neu auch Social Entrepreneurs ansprechen. Wichtig war, dass wir unsere Absicht mit objektiven Kriterien umsetzen konnten und damit Jungunternehmer gefunden haben, die ICT im Sinne der Nachhaltigkeit einzusetzen wissen.» Weil der Pilot so erfolgreich war, wurde das Projekt in diesem Jahr wieder durchgeführt.

Auch die SBB hat das Thema Start-ups für sich entdeckt. So hat mir Manuel Gerres, Head of Business Development und Start-up Relations im Interview für mein Buch «Inspired at Work» über ein Pilotprojekt mit dem Sharing Economy Start-up Sharely berichtet: «Einerseits hat uns das Sharely-Konzept – Gegenstände, die man nicht täglich braucht, über eine Online-Plattform zur Miete anzubieten – von Anfang an überzeugt. Andererseits ist die SBB sehr affin für Themen im Bereich Mobilität und Sharing Economy. Sie unterstützt deshalb aktiv innovative Start-ups aus diesen Sektoren, wie beispielsweise eben Sharely, park it oder Jacando.»

Nebst Förderbeiträgen und Pilotprojekten gibt es natürlich noch eine dritte Variante: die Übernahme von Start-ups. So wurde gerade diesen Sommer der Kauf von 6Wunderkinder durch Microsoft bekannt. 6Wunderkinder ist eine App, mit der Aufgaben, Listen und Notizen erfasst und verwaltet werden können. 6Wunderkinder erhofft sich aus dem Deal, dass ihr Unternehmen von der Erfahrung und Technologie von Microsoft profitieren kann, während Microsoft mit 6Wunderkinder das Produktangebot verjüngen und vor allem im Smartphone-Markt aufholen möchte.

Die Beispiele zeigen, es gibt verschiedene spannende Wege, wie Grossunternehmen mit Start-ups zusammenarbeiten können. Ganz gleich aber welche Art der Partnerschaft schliesslich gewählt wird, dem Ganzen liegt immer ein Committment der Grossfirma zugrunde, sich für Innovation zu engagieren, trotz oder gerade wegen des Innovator’s Dilemma.

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