HR im Rollenwandel

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Seit vielen Jahren verfolge ich Studien über die Jugend und ihr Verhalten. Die Anzahl der Studien ist enorm (Shell-Jugendstudie, Jim- oder James-Studie etc.), denn alle versuchen zu ergründen, wie die Jugend tickt. Es gilt: Wer sie versteht, kann die Produktentwicklung, das Marketing aber auch die (Schul- und Berufs-)Bildung besser an ihr ausrichten und davon profitieren.

Betrachtet man die Berufsbildung, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Welche Anforderungen stellt die heutige Jugend – die sogenannte Generation Z ab Jahrgang 1995 – tatsächlich an ihren Führungskräfte im HR und noch spezifischer an die Berufsbildner?

In der Fachwelt ist man sich einig, dass ein Wandel vom Lehrmeister zum Lernbegleiter stattfinden sollte. Insbesondere in unseren Breitengraden interessiert sich die Generation Z kaum für Hierarchien und hinterfragt die Erfüllung von Aufgaben mehr denn je.

Die wichtigste Aufgabe für das HR ist, wie seit je her, die Gestaltung des Lernens und deren Umgebungen. Stärker ausgeprägt sollten Ermutigung, Begeisterung und vor allem die soziale Beziehung zu den Führungskräften sein.

Lernende fühlen sich besonders wohl, wenn

  • sie das Gefühl haben, dass sich die Leute in der Firma gut verstehen.
  • sie schon früh selbstständig arbeiten können.
  • es eine engagierte und motivierte Ausbildnerin gibt.

Aber sind diese Entwicklungen und Forderungen wirklich neu? War Lernen nicht immer schon eine Beziehungsfrage? In der Breite der HR-Abteilungen werden die Erkenntnisse der Studien leider zu wenig in die Praxis umgesetzt. In Kleinfirmen sind die Berufsbildner oft überfordert, da die Ausbildung ein „Nebenjob“ ist. In grossen Konzernen besteht indes Potential in der Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse.

Mein Fazit: Die Anpassung des HR an die Jugend hat grosses Potential. Change im Sinne von erfolgreichem Lehren und Führen wird zu einer Kernkompetenz werden. Die Entwicklung von Fachkräften, Innovationsfähigkeit und rasches Anpassen an die sich schneller wandelnden Rahmenbedingungen zwingen die Firmen dazu. Wer bei Jugendlichen das Differenzierungsvermögen zu fördern mag, wird als Firma profitieren. Ich verstehe darunter die Fähigkeit zu erkennen, WARUM es WAS zu lernen und zu erforschen gibt und mit welchen Mitteln dies erfolgreich erreicht werden kann. Ein nicht ganz neues Zitat trifft den Kern ganz gut: „Wenn Du Menschen führen willst – gehe hinter Ihnen!“ (Lao-tse) – Oder wie sehen Sie das?

5 comments for “HR im Rollenwandel

  1. Sérgio Sonderegger
    31. März 2015 at 11:57

    Amen. Unternehmen, die den oben beschriebenen Wandel vollziehen, profitieren nicht nur von höherer Attraktivität bei der Zielgruppe – sie verfügen plötzlich über die Möglichkeit, Jugendliche erfolgreich durch eine Ausbildung zu begleiten, die eigentlich schulisch als zu schwach dafür galten. In Zeiten des Nachwuchsmangels sollten Unternehmen junge Menschen entwickeln, anstatt die breite Masse auf der Jagd nach dem besten Kandidaten aus den Augen zu verlieren.

    • 1. April 2015 at 8:08

      Genau! Die Entwicklung von sogenannten „B und C-Kandidaten“ wird ein Schlüssel zum Erfolg sein, bei den Firmen aber auch für den Staat. Gelingt es uns nicht, diese zu integrieren, sind sie, leider, wie man in vielen Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit verfolgen kann, einen Zeitbombe…..

  2. 27. März 2015 at 11:45

    Meiner Meinung nach ist die These sicher richtig, dass in der heutigen Ausbildung Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter gefragt sind. Dies ist aus meiner Sicht nur ein Teil der komplexen Aufgabe. Lernbegleiter sind professionell geschulte Personen, die Menschen in individuellen Lernprozessen unterstützen.

    Neben diesem Prozess sind heutige Berufsbilderinnen und Berufsbildner vor allem Ausbildnerinnen und Ausbildner. Nach dem Berufsbildungsgesetz wird als Ausbilder bezeichnet, wer die Ausbildungsinhalte einer Ausbildung in der Ausbildungsstätte unmittelbar, verantwortlich und in wesentlichem Umfang vermittelt.

    • urs
      1. April 2015 at 8:05

      Danke für Ihre Differenzierung Herr Weber!

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