Der Inländervorrang 2.0

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Unternehmen benötigen Flexibilität: Ob wegen Globalisierung, Frankenstärke, Fachkräftemangel oder inländischem Wettbewerb – die Unternehmen sind einem Kostendruck ausgesetzt und müssen ihre Kosten optimal zuteilen.

Die Personaldienstleister ermöglichen diese Flexibilität mit Just-in-time-Lösungen fürs Personal. Die Personalkosten nehmen meist einen wichtigen Platz ein auf der Aufwandseite. Das ist in einer Wissensgesellschaft auch gut so. Umso effektiver ist es aber auch, in diesem Bereich zu flexibilisieren.

So weit so gut. Am Polithimmel verdunkeln sich aber die Wolken mit Blick auf das flexible Personalmanagement. Als wäre die Herausforderung nicht schon gross genug, dass wir aufgrund der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative künftig nur beschränkt auf europäische Fachkräfte zugreifen können, wütet seit jüngster Zeit auch noch das Gespenst des Inländervorrangs.

Mit einem Inländervorrang, wie wir ihn aus alten Zeiten kennen, wäre Schluss mit dem Just-in-time-Personalmanagement. Heute stellen die Personaldienstleister das richtige Personal am richtigen Ort innert 48 Stunden zur Verfügung. Die bürokratische Prüfung des Inländervorrangs à la früher benötigt hingegen mehrere Wochen. Es ist an der Zeit, sich neue Modelle für den Inländervorrang zu überlegen.

Der Bundesrat hat einen schlanken Vorschlag gemacht im Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Er will den Inländervorrang summarisch umsetzen. Aus einer Gesamtschau heraus möchte er die Bedürfnisse der Schweizer Wirtschaft beurteilen und auf dieser Grundlage per Höchstzahlen festlegen, wie viele Fachkräfte aus der EU benötigt werden. Im Einzelfall, also bei der einzelnen Anstellung, bräuchte es dann keine Inländervorrangs-Prüfung mehr. Eine effiziente Lösung.

Nun verdichten sich aber leider die Sorgen, dass die EU ein solches Konzept nicht gutheisst. Und so feiert der Inländervorrang im Einzelfall sein Comeback in der politischen Diskussion. Politiker, aufgepasst! Wir sollten diese «Chance» nutzen, um den Inländervorrang neu aufzulegen. Dazu hat swissstaffing, der Verband der Schweizer Personaldienstleister, einen konkreten Vorschlag:

Ansetzen sollten wir bei der Transparenz. Seit wir den Inländervorrang erstmals eingeführt haben, sind neue Technologien entstanden. Technologien, die Transparenz schaffen, nämlich Job-Suchmaschinen, auch Job-Spiders genannt. Diese Maschinen sind in der Lage, sämtliche – ja, sämtliche! – offenen Stellen der Schweiz nach Beruf und Region gebündelt den Stellensuchenden offenzulegen. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass die Unternehmen ihre offenen Stellen auf ihrer Firmen-Webseite publizieren. Hier könnte man eine Pflicht einführen, die den Unternehmen wenig Aufwand bereitet, aber den inländischen Stellensuchenden Zugang zu allen Vakanzen verschafft. Diese Pflicht sollte für alle Stellen gelten, die nicht a priori nur für ein paar Monate angeboten werden.

Ergänzend dazu könnte man die Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) mit dem Job-Spider verlinken, damit auch diese direkt und einfach Zugang zu allen offenen Stellen haben und die Stellensuchenden entsprechend beraten können.

So stellt sich swissstaffing den Inländervorrang 2.0 vor. Eine Win-Win-Lösung im Dienste der inländischen Stellensuchenden, die volle Transparenz erhalten, wie auch der Wirtschaft, die auf bürokratielose Prozesse angewiesen ist.

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