Unternehmenskultur: Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht

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Vor zwei Jahren erschien mein Buch «Inspired at Work – 66 Ideen für mehr Engagement und Innovation im Unternehmen» beim Versus Verlag. Zusammen mit Co-Autor Christoph Küffer hatte ich nebst den 66 Ideen auch 15 Praxisberichte von Firmen erstellt – darunter Evernote, SwissRe, SBB, DeinDeal – die eine der vorgestellten Ideen erfolgreich implementiert hatten. 

Um es vorwegzunehmen: Die erste Ausgabe war ein Erfolg. Bis auf eine Handvoll Exemplare ist das Buch gänzlich ausverkauft. Trotz dieses erfreulichen Interesses und der steigenden Visibilität der Thematik in der Deutschschweiz gibt es im Bereich des Mitarbeiter-Engagements und der Unternehmenskultur noch viel zu tun. Dies insbesondere auch im Hinblick auf die Digitalisierung der Schweizer Wirtschaft, denn wie ich bereits anfangs Jahr in einer Kolumne in der Schweiz am Sonntag schrieb, bedingt die digitale Transformation nicht nur einen technologischen, sondern auch einen kulturellen Wandel.

Wieso ist das besonders im 2017 wichtig? Vor zwei Wochen wurde am Worldwebforum Bundesrat Johann Schneider-Ammann das «Digitale Manifest» überreicht. Darin schlagen Vertreter aus Politik und Wirtschaft konkrete Massnahmen vor, um die Digitalisierung in der Schweiz voranzutreiben. Die Vision einer digitalen Schweiz und die damit verbundenen Massnahmen gelingen meiner Meinung nach jedoch nur, wenn die Mitarbeitenden in den grossen und kleinen Unternehmen unseres Landes die Digitalisierung primär als Chance wahrnehmen. Dies wiederum ist keine Frage der Technologie, sondern der menschlichen Grundhaltung und somit – im wirtschaftlichen Kontext – der Unternehmenskultur.

Im Status quo haben wir tendenziell zu viel Angst vor dem Scheitern, tolerieren mehr Gärtchendenken als nötig und weisen einen übergrossen Hang zum Perfektionismus auf. Das bremst engagierte Mitarbeiter aus, insbesondere auch jene, welche zukunftsweisende Themen vorantreiben, denn gerade bei Digitalisierungsprojekten sind Geschwindigkeit und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit erfolgsentscheidende Faktoren.

Was können wir tun, um eine zukunftsfähigere Unternehmenskultur zu fördern? Bewusstsein alleine reicht nicht mehr aus. Ein Anfang wäre, interne Initiativen zu lancieren, die darauf abzielen, dass Mitarbeitende abteilungs- und hierarchieübergreifend zusammenarbeiten, neue Ideen laufend ausprobieren können, und die Umsetzung dieser Ideen mit Rückhalt des Managements rasch vorantreiben können.

Generell gilt ab jetzt, den Worten Taten folgen zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich mir für 2017, dass es nicht – wie in meinem Buch portraitiert – nur 15 Firmen sind, die konkrete Ideen für eine innovativere und engagiertere Unternehmenskultur implementieren, sondern 1500. Und im Jahr darauf 15’000, und dann 150’000. Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht. Und er entsteht vor allem dann, wenn wir ihn 2017 mit Engagement, Vertrauen, Ideenreichtum und Tatendrang zusammen gehen.

6 comments for “Unternehmenskultur: Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht

  1. 22. Februar 2017 at 10:15

    Liebe Frau Groeneveld

    Ein hoch aktuelles und spannendes Thema. Vielen Dank für diesen Artikel, der die bevorstehenden Herausforderungen für Unternehmen prägnant zusammenfasst.

    Die Änderung einer Unternehmenskultur oder die Entwicklung neuer Organisationsformen fordert von allen Mitarbeitenden sehr viel, insbesondere aber von den Führungskräften, die mit echten Leaderqualitäten und einer Vision voran gehen müssen, und so die Mitarbeitenden für den Wandel inspirieren und leiten. M.M.n. braucht es viel Mut, Ausdauer aber auch eine gesunde Fehlerkultur seitens des Top-Managements, wenn man diese einschneidenden Veränderungen erfolgreich umsetzen möchte.

    Beste Grüsse

    • 24. Februar 2017 at 15:09

      Lieber Herr Kyburz,

      Danke für die Gedanken, ich teile Ihre Einschätzung. Es braucht das Engagement auf der Top-Ebene, und gleichzeitig genügend Offenheit (auch gegenüber Fehlern), so dass neue Ideen und Ansätze „bottom-up“ entstehen können und ihren Weg in die Umsetzung finden.

  2. Robert Jastrzebski
    2. Februar 2017 at 15:19

    Liebe Frau Groeneveld,

    ein knapper, prägnanter Artikel zum Thema „Unternehmenskultur/Wandel in Zeiten der Digitalisierung“. Was Sie ansprechen, geht i. m. A. in die Richtung, die Kotter mit dem Begriff „dual systems“ umschrieben hat und in den letzten Jahren als „Agilität“ vorangetrieben wurde: Eine vitale Organisation sollte demnach aus einem Mix aus Hierarchie/Bürokratie (Exploitation) + Agilität (bereichsübergreifende, autonome TA v. a.) (Exploration); aus einer „1. Kultur der kennzahlorientierten Formalisten/stromlinienförmigen Topathleten, die sich den herrschenden Standards anpassen“ (Rust 2009)“ + einer „3. Kultur des kommunikativen Essayismus“ (ebd.). Beispiele solcher Dualismen gibt es noch einige weitere.

    Lieber Herr Bühler,

    das was Sie ansprechen -Befürchtung einer zunehmenden sozialen Ungleichheit und Exklusion- ist i. m. A. auch sehr angebracht und berechtigt. Nur: M. M. n. muss eine zunkunftsfähige, nachhaltige und sozialverantwortliche Unternehmenskultur genau an diesem Ansätzen, indem sie aus mündigen, wertgeschätzten, resilienten, geachteten MitarbeiterInnen in Kooperation mit Schulen, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft etc. ebensolche Rücksicht nehmenden, empathischen und ermutigenden (Welten-)Bürger kreiert. Die tagesaktuellen Themen (Trump, Brexit, Rechtspopulismus in der EU etc.) werden zeigen, wie weit wir hier schon sind…

    • 24. Februar 2017 at 15:26

      Lieber Herr Jastrzebski

      Danke für den Kommentar und die weiterführende Analyse. Sie haben Recht damit und insbesondere auch bezüglich des Dualismus‘ Gedanken. Bei solch grundlegenden Veränderungen wie die Digitalisierung sollten Bottom-up und Top-Down Ansätze Hand in Hand greifen. So gelingt der Wandel auf nachhaltige Weise und es kann „im Miteinander“ der sozialen Ungleichheit vorgebeugt werden, d.h. die Arbeit so organisiert werden, dass jeder einen Beitrag leisten kann, wie es seit jeher in der Geschichte der Menschheit der Fall gewesen ist.

    • 24. Februar 2017 at 15:49

      Lieber Herr Bühler,

      Sie schreiben: „Welche Innovationen können Menschen noch wirklich glücklich machen?“ Die Technologie verändert unsere Umstände, das ist gegeben. Ich glaube jedoch, es sind nicht die Innovationen, die uns per se glücklich oder unglücklich machen, sondern wie wir uns als Privatpersonen, als Unternehmen, als Wirtschaft und vor allem auch als Gesellschaft entscheiden, mit Ihnen umzugehen.

      Die Krux liegt im „Miteinander“, wie ich im Kommentar an Herrn Jastrzebski bereits andeutete. Der Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er den Vorteil der Kooperation versteht und diesen immer und immer wieder erfolgreich umsetzt, als Individuum im Privatleben, als Firma in der Wirtschaft, als Gesellschaft im Zusammenspiel mit Politik und Wirtschaft etc.. Dass wir durch die technologischen Fortschritte gefordert sind, keine Frage. Was uns seit jeher als Menschen auszeichnet, ist eben, dass wir nicht nur nach dem Motto „Hauptsache es geht mir gut“ leben. Und in dieser Fähigkeit des „Miteinanders“ darin ist das am ehesten „Glück zu finden“ und die Lösung, um das Zukunftszenario, dass Sie beschreiben, zu verhindern.

  3. Pierre Bühler
    2. Februar 2017 at 11:34

    Und die Chancengleiche bleibt auf der Strecke. Welche Innovationen können Menschen noch wirklich glücklicher machen. Es gibt Menschen die können mit ihrer Intelligenz arbeiten und haben daher eine Zukunft. Es gibt Menschen die wenigen intelligent sind oder gar nie Zugang zu höherem Wissen bekommen können. was soll mit denen geschehen? Sollen die wie Sklaven, da ja wertloses Menschenmaterial, dahin vegetieren, die Abfälle der Hyperclass schlucken und als Versuchskaninchen für dubiose Experimente herhalten. Das Problem besteht darin, dass die Produkte solcher Innovationen meist in die Hände arroganter Psychopaten fallen und so das Gegenteil bewirken was der Forscher wollte. Aber mit dem muss man sich abfinden. Hauptsache mir geht es gut!!

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