Micromanagement: weit verbreitet, allseits verpönt

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«Ich wünsche mir für meine nächste Stelle einen gewissen Handlungsspielraum, was im Klartext bedeutet: Nur bitte ja nicht wieder einen Micromanager!» Unisono äussern Stellensuchende aufgrund der gemachten negativen Erfahrungen den Wunsch, fortan nicht mehr auf Vorgesetzte mit Kontrollwahn-Symptomen zu treffen.

Nüchtern betrachtet ist der CEO ganz einfach zu teuer, um sich in die Systematik der Terminverwaltung seiner Assistentin einzumischen. Ebenso sollte sich der General Manager besser mit übergeordneten Themen befassen, als beispielsweise die kostensparende Streichung von Blumensträussen für neu eintretende Mitarbeiter anzuordnen.

Einige Führungspersonen – gemeint sind die Micromanager – sind sich offensichtlich nicht bewusst, dass ihr Führungsstil zu Frustrationen, Stimmungsverschlechterung und möglicherweise zu ernsthaften Problemen in der Firma führen kann.

Unabhängig davon, ob der Pathologie des Micromanagers eine Profilierungsneurose oder Angst vor Kontrollverlust zugrunde liegt – für die betroffenen Mitarbeitenden sind derartige hierarchieübergreifende Verhaltensmuster und Eingriffe ins operative Tagesgeschäft destruktiv. Detailfanatiker und deren Unterstellte treiben sich früher oder später in eine Erschöpfung oder in die Kündigung – bei den Verursachenden meist ungewollt, bei den Leidtragenden als erlösender Schritt. Dem voraus geht eine subtile Entwicklung von der Entmündigung des engmaschig geführten Mitarbeitenden bis möglicherweise hin an den Rand der Verzweiflung. Sinkendes Selbstvertrauen, schwindende Eigeninitiative und vollkommene Demotivation sind die Folge – wo doch der Mensch grundsätzlich gerne mit Berufsstolz Eigenverantwortung für sein Tun übernimmt. Bekanntlich sind meist die individuellen Unzulänglichkeiten der Vorgesetzten der Grund, weshalb Arbeitnehmer ihren Arbeitgebern den Rücken zukehren. Es sind dies misstrauische Chefs, die nicht delegieren können: die Meister kleinlicher Anweisungen und pedantischer Rückfragen, die Experten der Erdrosselung jeglicher Selbständigkeit der Teammitglieder.

Auf Firmenseite leiden Produktivität und Effizienz massiv, ja ist gar der Fortschritt des Unternehmens gefährdet. Der kontrollwütige Manager generiert mit seinem detailgetriebenen Führungsstil nicht nur unnötige Mehrkosten, sondern gerät auch bezüglich seiner Kernaufgaben in den Rückstand. Micromanagement ist stets ein Schwächezeichen und keine Auszeichnung einer erfolgreichen Führungspersönlichkeit. Im Interesse der Firmen, der Entscheidungsträger und der Mitarbeitenden sollten Manager wieder echte Manager sein und sich auf das Wesentliche fokussieren. Der Zusatz «Micro» hat als Führungsinstrument keinerlei Daseinsberechtigung. Dass er zukünftig ausgemerzt wird, ist Chefsache.

2 comments for “Micromanagement: weit verbreitet, allseits verpönt

  1. A-S
    26. Juli 2016 at 19:56

    Toller Sprachgebrauch, bravo!

    • Thomas
      2. August 2016 at 18:43

      ja, sehr gut geschrieben und auf den Punkt gebracht!

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