Chinakompetenz

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DigitalisierungDigitale Kompetenz allein reicht nicht für die Zukunft. Hier sind sechs Fähigkeiten für das asiatische Zeitalter.

Seit einiger Zeit richtet sich die strategische Personalplanung an der digitalen Transformation aus. Man diagnostiziert einen Skillshift hin zu den Fähigkeiten, die den Maschinen verwehrt bleiben. Mitarbeitende sollen initiativ, kreativ, selbstreflektiert sein und mit ihren Gefühlen umgehen können. Ebenso wichtig sind jene Fähigkeiten, die nötig sind, um in der neuen Arbeitswelt zu bestehen. Doch weitet man seinen Blick, entdeckt man jenseits der Digitalisierung weitere für die Zukunft entscheidende Kompetenzen. Dafür verantwortlich sind parallel verlaufende Megatrends – der demographische Wandel, die biologische Revolution und ökologische Wende.

Zudem verschiebt sich das wirtschaftliche und geopolitische Gravitationszentrums in Richtung Asien. Wer die Entstehung der Zukunft verstehen und diese mitgestalten will, sollte die gegenwärtigen Entwicklungen dort aufmerksam verfolgen. Im Gegensatz zur Digitalisierung gibt es dafür kaum CAS, kaum Konferenzen, kaum Expertinnen.

Elemente der Chinakompetenz

Zweifellos gehen die wichtigsten Veränderungen momentan von China aus. Je skalierbarer, technologieintensiver, internationaler und innovativer das Geschäftsmodell eines Unternehmens, desto wichtiger ist das Verständnis des asiatischen Zeitalters. Nicht nur ist man stärker von chinesischer Konkurrenz bedroht als andere, es locken auch neue Märkte.

Chinakompetenz setzt sich aus Fachwissen (Wissen über China) und Haltungen (Umgang mit China) zusammen. Das heisst auch: wer sich vorschnell von Klischees und der Propaganda blenden lässt, wird es schwer haben, sich auf das asiatische Zeitalter einzustellen.

Etwas genauer betrachtet, setzt sich Chinakompetenz aus sechs Elementen zusammen:

  1. Chinakompetenz heisst, zu verfolgen, welche neue Technologien sich dort durchsetzen. Im Moment (das Veränderungstempo ist hoch) geht es um Gesichtserkennung, mobiles Bezahlen, Voice-Computing, Crispr, KI, QR-Codes und RFID-Anwendungen (z.B. in Tickets).
  2. Wer auf einer wirtschaftlichen Ebene mit China Schritt halten will, sollte zweitens dessen Einhörner aktiv beobachten. Unicorn-Hotspots sind Beijing, Shanghai, Hangzou, Shenzen und Gangzhou. Chinesische Einhörner haben einen starken KI-Fokus.
  3. Um die Absichten des erwachenden Riesens zu verstehen, sollte man den Blick in die Geschichtsbücher wagen. Weil Rohstoffe unverzichtbar bleiben, ist auch Geographiekompetenz wichtig. So kommen 90% der für die Digitalwirtschaft unentbehrlichen seltenen Erden aus China.
  4. Chinakompetenz heisst «Leapfrogging» zu antizipieren. Wer in seiner Entwicklung zurückliegt, kann durch radikale Innovation ganze Epochen überspringen, veraltete Denkmodelle und Technologien spielerisch leicht zurücklassen. Das gilt für Staaten, zunehmend aber auch für Unternehmen.
  5. Will Europa weder zum globalen Museum werden, noch stärker staatskapitalistisch funktionieren, drängt sich die Stärkung der B2B Sharing Economy auf. Chinakompetenz bedingt dann, zu erkennen, mit wem man kooperieren will, um gemeinsam schneller zu lernen.
  6. Chinakompetenz verlangt die Unternehmenskultur im Hinblick auf Mut, Neugierde und die positive Wahrnehmung der Zukunft zu hinterfragen. Ganz im Gegensatz zur chinesischen Dynamik ist die Stimmung bei uns zurzeit von Angst, Missmut und Pessimismus geprägt.
  7. Chinakompetenz heisst schliesslich, die Entwicklungen in der Volksrepublik kritisch zu hinterfragen. Will Europa nicht dominiert werden, braucht es Alternativem zum Plattformkapitalismus der Amerikaner und dem Staatskapitalismus der Chinesen. Nur zu verbieten, wird uns nicht weiterhelfen.

Was verlangt der Aufbau von Chinakompetenz von HR?

Will HR in Bezug auf Transformation und Skill-Management eine gestaltende Rolle einnehmen, wird es Zeit, die Zukunft mehr als nur digital zu denken. Die thematische Verschiebung ist auch deshalb angezeigt, weil viele in der Auseinandersetzung mit dem Digitalen ermüden. Neben der Etablierung neuer Weiterbildungsformate und Change-Aktivitäten mit Fokus Chinakompetenz, sind die entsprechenden Kompetenzen zu rekrutieren und mittels Outposts in China die dazugehörigen Netzwerke aufzubauen.

Wer vor Ort beobachtet vermag Entwicklungen und Alternativen besser zu verstehen. Unabhängig vom Aufbau einer Chinakompetenz, lohnt es sich, die Wahrnehmung der Zukunft im Unternehmen zu prüfen. Ist diese geprägt von Angst oder von Neugierde? Dominieren positive oder negative Gefühle? Nimmt man sich als aktiv oder passiv in deren Gestaltung wahr? Auch wenn es darum geht, Verwaltungsräte und Topmanagement auszuwählen und weiterzubilden, könnte man vermehrt beim Megatrend des asiatischen Zeitalters ansetzen.

Wo also beginnen? Vielleicht lohnt es sich, die nächsten Ferien in China zu verbringen…oder die etwas ausführlichere Version dieses Artikels zu lesen…

1 comment for “Chinakompetenz

  1. 21. Juni 2019 um 23:25

    Danke für den spannenden Beitrag!

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