Mentoren für die Jugend braucht das Land

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Fast so stolz wie Sportler, die zu einem Spitzenteam gehören, sind die Mitarbeitenden mancher Firmen. Die Förderung der Jüngsten findet mit Selbstverständlichkeit statt. In vielen anderen Unternehmen löscht es Jugendlichen nach kurzer Zeit ab. Chefs in der Rolle von Mentoren sind hier von unglaublichem Wert.

Ich hatte das grosse Glück, einen Mentor zu haben. Ja, sogar mehr als einen – und zwar in der genau richtigen Phase meines Berufseinstiegs zwischen 21 und 30.

Ein Mentor, der mir bei den täglichen Arbeiten, bei den Herausforderungen mit Mitarbeitern aber auch beim Entwickeln der Kenntnisse und Fähigkeiten mir mit Rat und Tat zur Verfügung stand. Mein Mentor war zugleich mein Chef.

Für nichts keine Lösung

Vor allem auf den Reisen zu den Kunden hatten wir Zeit für viel qualitativen Austausch. Aber auch mal in Kaffeepausen oder bei Mittagessen. Oder vor und nach Sitzungen. Er nahm sich Zeit, zuzuhören, zu erläutern, zu reflektieren und Möglichkeiten aufzuzeigen.

Dabei gab es für nichts keine Lösung und praktisch immer war die Stimmung motivierend. Ich wurde gefördert und gefordert.

Wie war das bei Ihnen? Auch wenn Sie keinen Chef hatten, der zugleich Mentor war, haben Sie wahrscheinlich nichts vermisst und Ihren Weg im Berufsleben trotzdem gefunden.

Wenn Sie jedoch wie ich zu den Glücklichen gehören, werden Sie ewig dankbar sein. Denn jeder Arbeitnehmer, der diese Unterstützung in der Anfangszeit seiner Karriere erleben durfte, weiss – oft erst später – wie viel er dieser Unterstützung zu verdanken hat. Ich bin überzeugt, dass die Glücklichen die Erfahrung weiter geben und selbst zum Mentor werden. So wurde und bin auch ich es. Und die anderen sollten es auch werden.

Das Potential von Mentoring

Seit rund sieben Monaten befasse ich mich intensiver mit dem Arbeitsmarkt von Jugendlichen mit Lehrabschluss. Mal abgesehen davon, dass es für viele schwierig ist, überhaupt eine «Einstiegs-Chance» zu bekommen, ist es erstaunlich, wie viele doch nach kurzer Zeit recht unzufrieden mit ihrem Job sind.

Was sind die Gründe? Ich habe (noch) keine Studie dazu gemacht, aber ich höre fast nur folgendes: Das Klima stimmt nicht, das Team ist nicht passend, ich bin unsicher ob ich etwas lerne. Wenn ich dann frage, ob nicht der Firmenzweck oder die Vision und Mission sie denn motiviere, Vollgas für die Firma und deren Dienstleistung zu geben, schaue ich zumeist in fragende Gesichter.

Genau an dieser Stelle sind Chefs in der Rolle von Mentoren von unglaublichem Wert. Liegt es wirklich am Team oder am Mitarbeiter? Warum lohnt es sich, an die Firma zu glauben und hart zu arbeiten? Wer profitiert am meisten, wenn ich mich durchbeisse?

Führungspersonen und Mentoren können genannte Visionen und Missionen aufzeigen und im Arbeitsalltag motivieren. Ich kenne übrigens auch Chefs, die sich das persönlich nicht leisten können und dafür externe Mentoren dazunehmen.

Der perfekte Mitarbeiter?

Junge Leute sind auf der Suche. Nach Liebe, nach Anerkennung, nach Förderung, nach der eigenen Persönlichkeit, nach dem Sinn des Lebens und – der Arbeit. Das war jeder von uns und viele sind es immer noch.

Mit welchen Massnahmen holt man nun das Potential der jungen Mitarbeiter ab und entwickelt es weiter? Oft gar nicht. Man sucht nach jungen Mitarbeitern, mit bester Ausbildung und Leumund, Berufserfahrung, Sprachkenntnissen, Qualifikationen etc. Aber die gibt es in den seltensten Fällen in der idealisierten Form.

Aber man kann sie entwickeln. Meiner Meinung nach hilft dabei die Mentoring-Kultur am allerbesten. Ob der Mentor nun ein Chef ist oder sonst eine Erfahrene Person aus der Firma, ist völlig egal.

 

Die Person braucht Empathie und muss Vertrauen schaffen. Damit kann sie den wilden Jungen wieder und wieder aufzeigen, dass es noch andere Lösungen gibt, dass Geduld sich auszahlen kann, wohin der Weg gehen könnte und weshalb sie sich engagieren sollen.

Leistung ist abhängig vom Zwischenmenschlichen

Es gibt Unternehmen, da findet die Identifikation der Mitarbeiter mit den Firmenwerten statt. Die Mitarbeiter sind fast so stolz wie Sportler, die zu einem Spitzenteam gehören, für diese Firma zu arbeiten.

Sie kennen oder fühlen die Werte der Firma und den Sinn der Produkte und identifizieren sich mit ihnen. Sie arbeiten an einer gemeinsamen Sache. Das Zwischenmenschliche, der Teamgeist und die Förderung der jüngsten oder neusten Mitarbeitenden findet mit Selbstverständlichkeit statt.

Diese Kultur fängt in der Geschäftsleitung an, setzt sich bei den Kadermitarbeitern fort, geht zu den Spezialisten und bis hin zu den Lernenden.

Diese Kultur allein führt nicht zum Unternehmenserfolg – aber sie wird ein Kernkriterium für die künftigen Unternehmenserfolge.

Die Digitalisierung wird viele Aufgaben übernehmen. Auch das Matching zwischen Firmen und Mitarbeitern. Aber die Leistung und der Output sind wesentlich von der Energie der Menschen abhängig. Von der Fokussierung dieser menschlichen Energie auf gemeinsame Werte, Nutzen und Ziele. In Kompetenzen, welche Maschinen nicht haben.

Firmen, die eine Werte-Kultur und eine Mentoring-Kultur entwickeln und pflegen, werden die innovativsten und erfolgreichsten sein. Und sie werden aus Diversity- und Fachkompetenz-Gründen kontinuierlich auch sehr junge Mitarbeitende – Lernende, Lehrabgänger, Maturanden – einstellen und sie mit den besten Chefs und Mentoren weiterentwickeln. Das ist mit Kosten und Zeit verbunden – es ist eine Investition – in theoretische und praktische Kompetenz und in Zusammenarbeit. Das Resultat sind bessere Produkte und Dienstleistungen – zugunsten der Menschen.

11 comments for “Mentoren für die Jugend braucht das Land

  1. 26. Februar 2018 at 11:39

    Danke für den Artikeln.
    Mentoring ist eine wunderbare Sache
    Aus meinem Blickwinkel sehe ich jedoch einen heiklen Punkt: Ich bin nicht der Ansicht, dass Chefs auch eine Rolle als Mentoren für ihre Mitarbeiter annehmen sollten. Chefs sind disziplinarische und fachliche Vorgesetze. Sie haben Ziele zu verfolgen im Sinne ihrer Organisationen. Mitunter sind die Ziele ihnen auch vorgegeben. Die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern ist demnach auch diesen Zielen ausgerichtet. Und es geht nicht – unbedingt – um die Entwicklung und die Ziele eines Individuums.
    Ein Mentor arbeitet ehrenamtlich, und das Ziel und der Fokus eines Mentorings ist die Entwicklung des/der Mentée. So führen wir unsere Programme durch, vorwiegend Cross Mentoring Programme für Frauen für Führungspositionen.
    Von daher sind die Rollen Chef Mentor in meinen Augen nicht kompatibel. Ungeachtet von Vertraulichkeit, Offenheit und einer Unabhängigkeit (finanziell, disziplinarisch, familiär, etc.) beim Mentoring.

  2. 25. Februar 2018 at 12:05

    Mentoring, Supported Education, Trainer, Beistand, ….

    Machbare Perspektiven entwickeln, eigene Ressourcen ent- und audecken, Systeme aktivieren, handlungsfähig machen, ….

    Es gibt soviel, das wir mit und für die Jugend machen können. – Wenn wir denn bereit sind, zuzuhören.

    In diesem Themenbereich suche ich Leute, mit denen ich über Erfahrungen, Strategien und Visionen/Projekte austauschen kann.

    Ich selber arbeite im Rahmen des AVIG in der Arbeitsintegration ausschließlich mit Jugendlichen. Zuvor war ich während rund 20 Jahren institutionsmässig als Sozialpädagoge tätig. Auch mit Jugendlichen.

    • 26. Februar 2018 at 10:29

      Vielen Dank für Ihr grosses Engagement, Herr Ernst! Solche Initiativen sind unglaublich wertvoll.

  3. Stephanie Müller
    25. Februar 2018 at 10:26

    Tolle Beiträge. Danke dafür. Sie spiegeln auch zwei meiner Hauptprinzipien weiter:
    1. Wie kann man selbst mit den eigenen Fähigkeiten andere unterstützen und zwar in erster Linie selbstlos und ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten.
    2. Selbst erfahrene Unterstützung sollte weitergegeben werden, in welcher Form auch immer, gemäß dem Film „Pay it forward“.
    Der Pay back kommt dann durch die potentielle positive Dynamik später ganz von alleine, in dem diejenigen die Unterstützung erhalten haben diese weitergeben.
    Unternehmen die solche Prinzipien unterstützen werden auch darauf schauen, dass Sie Mentoren einstellen bzw. fördern und entwickeln. Somit werden sie langfristig den Unterschied machen im Vergleich zu Unternehmen, welche die Wichtigkeit von Mentoren nicht erkennen.

    • 26. Februar 2018 at 10:26

      Vielen Dank für Ihren Kommentar – ich pflichte Ihnen bei beiden Punkten absolut zu!

  4. 19. Februar 2018 at 9:30

    Der Artikel nimmt sich einem wichtigen Förderinstrument an. Junge Leute benötigen jedoch bereits vor der Berufswahl Mentorinnen und Mentoren. Das können die Eltern sein. Doch auch Personen ausserhalb der Familie können wertvolle Mentorinnen und Mentoren sein, denn es gilt den Fächer bei der Berufswahl breit aufzutun und sich weder von Geschlechterstereotypen, noch von einem eingeschränkten familiären Blick lenken zu lassen.

    Insbesondere Mädchen trauen sich oft Berufe nicht zu, für die sie eigentlich begabt sind. Dies trifft nach Einschätzung der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW insbesondere für die Technik und Informatik zu. Mit einem neuen Programm will die SATW deshalb Mädchen in der Berufsfindung helfen, ihr technisches Talent zu erkennen und ihre Persönlichkeit dank Mentoring zu stärken. Unternehmen sind eingeladen, sich am Förderprogramm «Swiss TecLadies» mit Mentorinnen, Betriebsbesichtigungen und Workshops zu beteiligen. Mehr dazu unter http://www.tecladies.ch

    • Urs
      19. Februar 2018 at 9:52

      Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen.
      Danke für Ihren Beitrag und ihre Initiative!

  5. Urs Casty
    17. Februar 2018 at 14:55

    Vielen Dank Tobias Ruge! Lassen Sie nicht nach!

  6. Alexander Beck
    16. Februar 2018 at 10:09

    Mentoring als Wunderwaffe?

    Ein gelungener Artikel, der mit seiner ganzheitlichen Betrachtung das Thema Mentoring für jüngere Berufsleute auf den Punkt bringt. Auch ich konnte in meiner beruflichen Karriere von solchen Mentoren profitieren und Sie gaben mir fachlichen und persönlichen Support, Rückhalt sowie Zuversicht, wenn‘s gerade nicht optimal lief oder wichtige Entscheidungen anstanden.

    Mentoring geschieht nicht auf Knopfdruck sondern ist Ausdruck einer bewusst gelebten „Entwicklungs- und Förderungskultur“ in den Unternehmungen – beginnend bei den Lernenden. Und dies ist ein Investment in die Zukunft, das auf verschiedene strategische HR Kernthemen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitgeberreputation, Mitarbeiterbindung / Fluktuation „einzahlt“. Dazu sind nicht hochtrabende Strategien notwendig. Denn Mentoring- Programme lassen sich nicht verordnen, sie müssen gelebt werden. Eine gewisse Systematik und die Befähigung von sozialkompetenten Mentoren mit modernen Austauschgefässen bilden eine sehr gute Grundlage.

    Damit das ganze ein unternehmerischer Erfolg wird, ist jedoch ein Punkt zentral:
    Nur wer sich mit den Anliegen und Bedürfnissen von jungen Menschen auseinandersetzt und Sie versucht zu verstehen, erhält den Zugang zu ihnen.

    • Urs Casty
      17. Februar 2018 at 14:53

      Vielen Dank für Ihren Beitrag Alexander Beck!

  7. RUGE TOBIAS
    16. Februar 2018 at 0:35

    Das ist ein sehr guter Text, mit wertvollen Inhalt. Gerne bin ich bereit das zu unterstützen. Leider haben schon viele denen ich das Angeboten hab nicht eingewilligt. Vielleicht auch nicht verstanden was ich von ihnen will….

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