Manchmal trifft uns das Leben in voller Wucht. Eine Nachricht, die im ersten Moment fast unwirklich scheint: der plötzliche Tod eines Kollegen. In solchen Momenten wird die kommunikative Kompetenz der HR-Abteilung und der Führungsebene auf eine besonders sensible Probe gestellt. Wie man es richtig macht, erklärt Diana Roth.
Wie finden wir die richtigen Worte, wenn es eigentlich keine richtigen Worte gibt?
Ein Fallbeispiel: Der stille Abschied von Markus
Markus, seit 12 Jahren im Unternehmen und von allen geschätzt, stirbt plötzlich an einem Herzinfarkt. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und hinterlässt eine Mischung aus Schock, Trauer und Ratlosigkeit. Die HR-Leitung steht vor einer der schwierigsten Aufgaben: Wie kommunizieren wir diesen Verlust respektvoll und dennoch klar?
Die erste Kommunikation erfolgt per E-Mail an die Belegschaft. Kein Platz für sterile Worte, sondern echte Anteilnahme:
«Wir haben heute eine Nachricht, die uns tief erschüttert: Unser Kollege und Freund Markus ist unerwartet verstorben. Sein herzliches Lachen und sein unermüdlicher Einsatz haben unser Team bereichert und werden uns allen fehlen. Wir denken an seine Familie und wollen Markus in ehrender Erinnerung behalten.»
Die HR-Abteilung weiss: Eine solche Nachricht trifft nicht nur das Herz, sondern auch die gesamte Dynamik eines Teams. Deshalb folgt direkt die Einladung zu einem persönlichen Zusammentreffen, in dem Fragen und Gefühle Raum bekommen.
Warum emotionale Kommunikation jetzt entscheidend ist
In Momenten der Trauer braucht es mehr als nur Fakten. Es braucht Herz. HR und Führungskräfte werden zu Leuchttürmen, die durch den Nebel der Unsicherheit führen. Hierbei sind drei Elemente essenziell:
- Empathie zeigen: Trauer fordert von uns, dass wir uns verletzlich zeigen. Es ist wichtig, ehrlich zu sagen, dass der Verlust auch uns tief bewegt. Worte wie «Markus wird uns fehlen» oder «Dieser Verlust trifft uns alle» schaffen Nähe und zeigen, dass niemand mit seinen Gefühlen allein ist. Echtheit verbindet.
- Klarheit bewahren: So sehr Emotionen gefragt sind, so sehr braucht es auch einen klaren Rahmen. Zum Beispiel für organisatorische Fragen: Wer übernimmt vorübergehend Markus’ Aufgaben? Wann und wo finden Trauerveranstaltungen statt?
- Einen geschützten Raum bieten: Menschen trauern unterschiedlich. Während einige reden möchten, ziehen sich andere zurück. Angebote wie ein Trauergespräch mit einem Coach oder eine stille Ecke im Büro für Kerzen und Erinnerungen können Wunder wirken.
Der richtige Ton: Was gesagt wird – und was nicht
Kommunikation in solchen Fällen ist wie das Stimmen einer sensiblen Saite. Es geht um einen Klang, der ermutigt, tröstet und stützt. Vermeiden Sie dabei steriles Management-Phrasen wie «Wir bedauern diesen Verlust.» Solche Worte klingen kalt und schaffen Distanz.
Stattdessen: Nutzen Sie Bildsprache. Sagen Sie: «Markus war das Herz unseres Teams. Sein plötzlicher Tod lässt uns fassungslos zurück, doch wir möchten sein Licht bewahren.» Worte wie diese transportieren Gefühle und schaffen ein gemeinsames Erinnern.
Was wir von der Natur lernen können
Ein Trauerfall ist wie ein schwerer Sturm, der durch ein Team fegt. Doch nach dem Sturm zeigt sich manchmal ein Regenbogen – ein Symbol dafür, dass etwas von der Energie des Verstorbenen bleibt.
HR kann hier zeigen, was möglich ist: Mit Gedenkveranstaltungen, wie einem gemeinsam gepflanzten Baum, der an Markus erinnert. Oder einer digitalen Pinnwand, auf der Kollegen ihre Erinnerungen teilen. Solche Rituale helfen, Wurzeln zu schlagen, wo Zerstörung war.
Der Wert der Authentizität
Trauerkommunikation ist kein Handbuch-Kapitel, das man einfach aufschlägt. Der Kontext entscheidet auch hier. War es Betriebsunfall und viele Mitarbeitende waren dabei anwesend, muss wieder vorgegangen werden. Eine Checkliste dazu gibt es nicht. HR-Fachleute sind aufgefordert individuell zu agieren. Das erfordert Mut, Sensibilität und vor allem Authentizität. Als HR und Führung sind Sie nicht nur Kommunikatoren, sondern auch Menschen, die trauern. Teilen Sie Ihre Gefühle. Erzählen Sie, was Markus Ihnen persönlich bedeutet hat. Diese Ehrlichkeit wird geschätzt und gibt auch anderen die Erlaubnis, ehrlich zu sein.
Fazit: Kommunikation, die Mitarbeitenden in Erinnerung bleibt
Eine gute Trauerkommunikation ist wie ein wärmender Schal in eisiger Kälte. Sie hält zusammen, sie schützt und gibt Halt. Es sind Worte, die nicht vergessen werden, weil sie echte Gefühle transportieren.
Abschliessend bleibt die Erkenntnis: Worte können trösten, wenn sie von Herzen kommen. Sie sind vielleicht nicht perfekt, aber sie sind menschlich – und das ist alles, was in solchen Momenten zählt.
«Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.» – Jean Paul